landpartie, untiefe
Schreibe einen Kommentar

Alle meine Kleider

Leuchtturm Schleimünde - Lotseninsel Foto: Wasser-und Schiffahrtsverwaltung des Bundes

untiefe | Der Leuchtturm auf der Lotseninsel ist das Chamäleon unter den Leuchtfeuern. Er wechselt am häufigsten seine Farben und ist daher Rekordhalter. Seit 2015 erstrahlt der Leuchtturm an der Schleimündung in Weiß und Grün und macht so auch Landratten auf das aussergewöhnliche Eiland aufmerksam, auf dem er steht.

Leuchtturm Schleimünde 2015 Foto: Wasser- und Schiffahrtsverwaltung des Bundes1871 nahm der Leuchtturm an der Nordermole seinen Dienst auf. Damals war er in gelbem Backstein gehalten und seine Laterne enthielt einen Petroleumbrenner und eine Gürtellinse mit 400 Millimetern Brennweite, die über 12 Seemeilen hinweg den Schiffen ein rotes Leuchtfeuer zeigte. 1890 wurde der Leuchtturm dunkelgrau gestrichen, dann wieder gelb und ab 1910 hellgrau. In den Folgejahren ging man mit größerem künstlerischen Anspruch an die Sache: 1920 erhielt das Leuchtfeuer eine rot-weiß-gewürfelte Fassade, das Gesims wurde rot und die Laterne grau abgesetzt. Die nächste Renovierung brachte ein schwarz-weiß-gewürfeltes Kleid und schließlich – bis zum aktuellen Anstrich 2015 war der Leuchtturm Schleimünde klassisch schwarz-weiß-geringelt – oder besser: „gebändert“.

Leuchtturm bis 2014 in Schwarzweiß | Foto: aboutpixel/open_SailorAber nicht nur die Farben des kleinen Leuchtturms (14,3 Meter) an der Schleimündung sind wechselvoll und beachtenswert, sondern auch die Geschichte der Lotseninsel, auf der er steht. 2008 drohte das Eiland ein trauriges Beispiel staatlichen Outsourcings zu werden: Die Lotseninsel wurde zur Versteigerung ausgeschrieben.

Nach einer ungeheuerlichen Phase der Ungewissheit, erhielt dann 2009 die Hamburger „Lighthouse Foundation – Stiftung für die Meere und Ozeane “ (mit einem Büro in Kiel) den Zuschlag für den Kauf. Die Stiftung hält die Insel seither „in Schuss“ und offen für die Allgemeinheit. Und man bemüht sich in Projektform um neue, ganzheitliche Konzepte für die Nutzung. Die teils historischen Gebäude wurden saniert und die Stiftung strebt einen umweltgerechten Betrieb mit kulturellen und naturkundlichen Veranstaltungen, Seminarhaus und mehr an, um ein Beispiel zu geben, wie sich dieser mit den Prinzipien einer an Nachhaltigkeit orientierten Lebensweise vereinbaren lässt. Dabei ist es sicher nicht immer einfach, alle Interessen der Pächter und der Inselaktiven unter einen Hut zu bekommen.

Leuchtturm Schleimünde 2015 Foto: Wasser- und Schiffahrtsverwaltung des BundesDie Lotseninsel ist eigentlich eine einstige Sandbank, die durch die Verlegung der Schleimündung zur Insel wurde. Durch stetige Versandung bildet sie heute eine Einheit mit der Halbinsel Oehe, ist aber trotzdem nur auf dem Wasserweg erreichbar. In den Sommermonaten gibt es eine Schiffsverbindung von Kappeln und/oder Maasholm. Spätestens am 1. Mai startet der Linienverkehr, bei schönem Wetter auch früher. Auf der Insel findet man neben dem Leuchtturm noch das alte Lotsenhaus, die Segler-Wirtschaft „Giftbude“ und einen kleinen Yachthafen. Rund um die Lotseninsel existiert eine einzigartige Kultur- und Naturlandschaft und das Naturschutzgebiet Oehe-Schleimünde ist eines der ältesten Deutschlands. Bei ruhiger See soll man von der Insel aus sogar Schweinswale beobachten können.

Das Angebot und die Aktivitäten in den Sommermonaten sind bemerkenswert. Der Hafen, die Gastronomie, das Lotsenhaus, das für Tagungen und Seminare vermietet wird und auch für Übernachtungen gebucht werden kann, der Strand – all das wird durch Naturführungen und Veranstaltungen abgerundet. So findet seit 2010 jedes Jahr die Kulturwoche „Unmarked_Space“ hier statt, in deren Verlauf mehr als 50 darstellende und bildende Künstler der verschiedensten Sparten gemeinsam in einer Art künstlerischen Zukunftslabor arbeiten und ihre vielfältigen Ergebnisse schließlich an einem Festival-Wochenende präsentieren.

Das Leitbild der Stiftung besagt heute: „Die Lotseninsel ist ein lebendiges und auch wirtschaftlich tragfähiges Zentrum für Naturerleben und Umweltbildung. Viele Besucher nutzen die Insel ohne die sensible Natur im Umfeld zu schädigen. Die Lotseninsel Schleimünde ist ein Beispiel für einen bewussten und sparsamen Umgang mit den natürlichen Ressourcen.“

Weitere Informationen rund um das Eiland in/an der Ostsee: www.lotseninsel.de

Alle Fotos in Grün-Weiß: © Wasser- und Schiffahrtsverwaltung des Bundes, www.wsv.de
L
euchtturm in Schwarzweiß: © open_Sailor/aboutpixel.de

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.