Autor: gynt

Steinpark-Luebeck-Foto-gynt

Residenz der Steine

lübeck | Territorium, Macht und Besitz zu markieren ist eine zutiefst archaische Sitte, und das Markieren von Landbesitz mit Steinen reicht weit zurück in der Menschheitsgeschichte. Doch viele dieser historischen Grenz- und Flursteine waren und sind heute Baumaßnahmen im Wege. Für die Rettung der unter Denkmalschutz stehenden Steine auf Lübecker Stadtgebiet wurde vor ein paar Jahren ein Grenzsteinpark auf dem Gelände des Universitätsklinikums eingerichtet.

Fähre Siebeneichen - copyright: augenblick-fotodesign.com

Läuten, dann kommt der Fährmann

untiefe | Fuhrmann hol röber! Die kleine Fähre über den Elbe-Lübeck-Kanal ist ein nostalgisches Erlebnis und die letzte ihrer Art an der alten Wasserstraße. Seit 1900 überqueren hier Mensch und Tier, Rad und Auto mit Hilfe eines Fährmanns den Kanal im Herzogtum Lauenburg. Das 300-Seelen-Dorf Siebeneichen liebt seine historische Sehenswürdigkeit und lässt nichts unversucht, ihren Betrieb für die Zukunft zu sichern. Ende 2015 konnte der Denkmalschutz erreicht werden, und der TÜV ist auch für fünf Jahre in trockenen Tüchern. Aktuell ist der Fährbetrieb in den Sommermonaten April bis einschließlich September, freitags bis sonntags gesichert, in den Wintermonaten wird die Fähre ausgesetzt. Das Thema „Wirtschaftlichkeit“ führte immer wieder zu Unsicherheiten bei der Sicherung des Fährbetriebs. Der Förderverein Fähre Siebeneichen e.V. setzt sich daher mit verschiedenen Unterstützern für den Erhalt ein. In den Sommermonaten finden neben dem An- und Abfährfest und dem Kultursommer am Kanal   immer diverse Open-Air-Veranstaltungen wie Kunsthandwerkermärkte und Konzerte am Fährstandort nahe des Stecknitzkanals statt. Die Seilzugfähre wurde von 1900 bis 1960 noch im Handbetrieb mit einem Zug- und einem Führungsseil über den Kanal gezogen. Seit den 60er Jahren haben die Fährleute einen …

Kunststätte Bossard © Jan Totzek/panographer.de

Überwältigendes Gesamtkunstwerk

landpartie | Am Nordrand der Lüneburger Heide, verborgen im Wald, findet man ein einzigartiges expressionistisches Gesamtkunstwerk, das bisher zu wenig Aufmerksamkeit erhält: Die Kunststätte Bossard. Das Künstlerehepaar Johann Michael und Jutta Bossard-Krull verwirklichte auf einem drei Hektar großen Areal bei Jesteburg/ Lüllau eine gemeinsame Vision. Die Kunststätte Bossard, ein Ensemble aus Wohn- und Atelierhaus, einem Kunsttempel und Garten- und Parkanlagen, beinhaltet heute mehr als 3000 Einzelkunstwerke. Bis zum Tode von Johann Michael Bossard im Jahr 1950 arbeiteten er und seine Frau Jutta unermüdlich gemeinsam und auf Augenhöhe an ihrem Ziel, Architektur, Bildhauerei, Malerei, Landschaftsarchitektur und Kunstgewerbliches zu einer Einheit werden zu lassen. Der beeindruckende Kunsttempel, der Edda-Saal und jeder Raum des Wohn- und Atelierhauses sind komplett mit Wandmalereien, Skulpturen, Holzschnitzereien, Bronzeguss und weiteren künstlerischen Techniken ausgestaltet und in seinem ursprünglichen Zusammenhang erhalten. Die Gärten sind kunstvoll angelegt, so dass die Bewohner dort einerseits Ruhe und Meditation finden und sich andererseits mit dem, was sie anbauten, auch komplett selbst versorgen konnten. Dieses Gesamtkunstwerk wird heute von einer Stiftung verwaltet und steht als Museum für Besichtigungen offen. „Die Meinen werden mich schon finden“, hat Johann Michael Bossard (1874-1950) einmal …

„Vun Hus un Hoff“ und Schießpulver

landpartie | Alte Landmaschinen, historische Geräte und Haushaltsgegenstände: Das Landmuseum „Vun Hus un Hoff“ in Linau gibt Einblick in alte Zeiten – vor, während und nach der Industriellen Revolution auf dem Dorfe. Das kleine Museum der Linauer Oldtimer Gemeinschaft e.V. (L.O.G.) ist mit viel Idealismus und Engagement aufgebaut worden und besteht seit 2005. Der Verein restauriert, pflegt und bewahrt historische Fahrzeuge und alte Land- und Haustechnik. So findet man hier neben den mobilen Steckenpferden des Vereins – alten Traktoren, Autos, Motorrädern, Mopeds und Fahrrädern – auch verschiedenste historische Gebrauchsgegenstände und Maschinen von Höfen, aus Werkstätten und ländlichen Manufakturen. Dazu gehören beispielsweise eine wieder aufgebaute alte Schmiede und eine sehenswerte alte Bandsäge aus der ehemaligen Pantoffelmacherei in Mollhagen. Gleich neben dem Museum an der Kreisstraße 11 zwischen Schönberg und Linau liegt ein liebevoll gestalteter kleiner Rastplatz mit Findlingen und einem „Alten Schweden“, der in diesem Fall nicht nur ein großer Fels ist, sondern ein „Kulturdenkmal für historische Arbeitsmethoden in der Steinbearbeitung“! Vor etwa 200 Jahren hatten Bauern versucht, den großen Stein, der möglicherweise bei der Feldarbeit im Wege war oder als Baumaterial genutzt werden sollte, klein zu kriegen. Mittels Hammer …

Leuchtturm Schleimünde - Lotseninsel Foto: Wasser-und Schiffahrtsverwaltung des Bundes

Alle meine Kleider

untiefe | Der Leuchtturm auf der Lotseninsel ist das Chamäleon unter den Leuchtfeuern. Er wechselt am häufigsten seine Farben und ist daher Rekordhalter. Seit 2015 erstrahlt der Leuchtturm an der Schleimündung in Weiß und Grün und macht so auch Landratten auf das aussergewöhnliche Eiland aufmerksam, auf dem er steht. 1871 nahm der Leuchtturm an der Nordermole seinen Dienst auf. Damals war er in gelbem Backstein gehalten und seine Laterne enthielt einen Petroleumbrenner und eine Gürtellinse mit 400 Millimetern Brennweite, die über 12 Seemeilen hinweg den Schiffen ein rotes Leuchtfeuer zeigte. 1890 wurde der Leuchtturm dunkelgrau gestrichen, dann wieder gelb und ab 1910 hellgrau. In den Folgejahren ging man mit größerem künstlerischen Anspruch an die Sache: 1920 erhielt das Leuchtfeuer eine rot-weiß-gewürfelte Fassade, das Gesims wurde rot und die Laterne grau abgesetzt. Die nächste Renovierung brachte ein schwarz-weiß-gewürfeltes Kleid und schließlich – bis zum aktuellen Anstrich 2015 war der Leuchtturm Schleimünde klassisch schwarz-weiß-geringelt – oder besser: „gebändert“. Aber nicht nur die Farben des kleinen Leuchtturms (14,3 Meter) an der Schleimündung sind wechselvoll und beachtenswert, sondern auch die Geschichte der Lotseninsel, auf der er steht. 2008 drohte das Eiland ein trauriges Beispiel staatlichen Outsourcings zu werden: Die Lotseninsel wurde …

Lüllau wie… Idylle

landpartie | Lüllau – das klingt schon wie eine Kreuzung aus Lummerland und Bullerbü. Und genauso fühlt es sich an, wenn man in der Nachmittagssonne über das alte Kopfsteinplaster in den Biergarten des Brookhoff in Lüllau gelangt. Der Mühlenteich, die alte Wassermühle, der Dorfkrug, ein Backhaus und das große Bauernhaus aus Fachwerk nähren das Gefühl, ein Juwel gefunden zu haben. Auf unserer Fahrt ins Blaue suchten wir „irgendeinen netten Landgasthof“ hinter Harburg, aber das gestaltete sich schwierig, so dass wir tiefer ins Niedersächsische vordrangen als geplant. Und dann überrascht uns der Brookhoff mit dieser Idylle. Wir erfahren, dass das ganze Ensemble unter Denkmalschutz steht und auch schon NDR-Drehort für „Heimatgeschichten“ war.  Der zum Brookhoff gehörende Dorfkrug am Mühlenteich ist in Lüllau so etwas wie das Herz des zu Jesteburg gehörenden Dorfes am Nordrand der Lüneburger Heide. Hier gibt es zuallererst Klönschnack und dann Bierchen oder Kaffee und selbst gebackene Kuchen. Eigentlich nur ein paar Handbreit von der Harburger Straße (L213) entfernt, sitzt man im Hof jenseits des Straßenlärms, umgeben von plätscherndem Wasser und beispielhaft entspannten Enten und Gänsen. 2012 wurde der Dorfkrug im ehemaligen Kuhstall eröffnet. Er wurde im Stile alter, ländlicher Wirtschaften gestaltet, rustikal und …

Grundloser Kolk Mölln © syr/gynt.eu

Wenn Seelen übers Moor spazieren

untiefe | Der Grundlose Kolk bei Mölln ist ein atmosphärischer Ort, der zu jeder Jahreszeit ein faszinierendes Farbenspiel bietet. Das besondere Licht, der Nebel und das Moor beflügeln die Fantasie und die Emotionen. Man findet den sagenumwobenen Moorsee versteckt in einem Talkessel im Wildpark Uhlenkolk. Und da der Wildpark rund um die Uhr geöffnet ist, finden sich wahre Kolk-Liebhaber in der Morgen- und Abenddämmerung oder sogar nachts ein, um die besondere Atmosphäre zu genießen. Entstanden ist der Grundlose Kolk vor 14.500 Jahren, als die Gletscher der letzten Eiszeit zu tauen begannen. Das obere Schmelzwasser stürzte durch Spalten ins Innere des Eises und kreiselte dort – bis diese „Gletschermühle“ riesige, runde Mulden in den Untergrund spülte. „Grundlos“ bedeutet, dass der Untergrund Wasser nicht abfließen lässt, so dass sich der Wasserstand ausschließlich über Niederschlag und Verdunstung regelt. Es liegt also fast immer Wasserdampf über dem See und seiner Moorlandschaft. Der Nebel und der Wald machen den Toteissee ein wenig unheimlich, und so gibt es reproduzierbare Geschichten von im See versunkenen Kirchtürmen, nächtlichem Glockenläuten, Wehklagen und ruhelosen Seelen, die über das Moor wandern – wie es sie von jedem Kolk, vielen Seen und fast jedem Moor gibt. Ein Kirchturm …

huehnergott © augenblick-fotodesign.com

Steinalt – der Hühnergott

steinpfad | Glück hat schon, wer einen findet: Den Hühnergott kennt an der Nord- und Ostsee jedes Kind. Die Suche nach dem Stein mit Loch ist ein beliebter Unterhaltungsfaktor bei langen Strandspaziergängen. Jetzt werden die Hühnergötter immer öfter auch als unbearbeitete Schmucksteine am Lederband getragen. Sie sollen Glück bringen – aber nur denen, die sie selber finden oder geschenkt bekommen. Seinen Namen verdankt der Hühnergott dem alt-slawischen Brauch, diese Steine an einem Band befestigt in den Hühnerstall zu hängen. Zum einen sollte damit die Legetätigkeit der Hennen angeregt werden, zum anderen sollte der Stein räuberische Eindringlinge wie den Fuchs abhalten. In anderen europäischen Volksglauben spielten Lochsteine als schützende Amulette eine ganz ähnliche Rolle. Dabei wurden sie zum Schutz der Häuser, seiner Bewohner und des Viehs aufgehängt. Als „Drudensteine“ sollten sie den Träger vor Hexen und dem „bösen Blick“ bewahren. Die meisten Hühnergötter findet man als Feuerstein/Flint, dem häufigsten Gestein an Schleswig-Holsteins Küsten. Feuerstein gibt es seit 60 bis 70 Millionen Jahren (obere Kreidezeit bis unteres Tertiär). Er ist hart, zäh und im Bruch sehr scharfkantig, weshalb unsere Vorfahren daraus Pfeilspitzen und andere Werkzeuge herstellten. Der Feuerstein zündet …

Was ist g[y]nt?

g[y]nt heißt eigentlich günt, ist plattdeutsch und bedeutet so viel wie: gegenüber. Wobei nicht definiert ist, wie weit entfernt das Gegenüber ist. Einmal über die Straße oder über den Ozean. Diese Bedeutung ist Namensgeber unserer Online-Illustrierten für Entdecker des Alltags. g[y]nt möchte über den Tellerrand sehen, unterhalten, anregen, erinnern, animieren und inspirieren. g[y]nt ist neugierig. g[y]nt mag die kleinen Wunder des Lebens. g[y]nt wechselt die Perspektive, wie die Gedanken die Richtung: Vun de günt siet – von der anderen, gegenüberliegenden Seite schauen, um die Ecke denken und dabei in kleinen Dingen Großes finden. g[y]nt ist kreativ, begeisterungsfähig und kritisch. In unseren Rubriken spielen Fundstücke eine große Rolle. Dinge, die man entdeckt, wenn alle Sinne auf Empfang sind. Wenn wir etwas finden, dem wir Beachtung schenken, wird es unter unserem Blick kostbar. Um jedes Fundstück ranken sich Geschichten – einige davon möchten wir erzählen. Unsere Themen sind im Normalfall auch morgen noch da, nächste Woche, in zwei Monaten und in fünf Jahren. Die Illustrierte wird wachsen, immer neue Artikel werden hinzukommen, aber ältere nicht inaktuell werden. Über Facebook und Twitter informieren wir Sie über neue Geschichten, wenn Sie unsere Seite bei Facebook mit „Gefällt mir“ …