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hinterhof | Hinter die Fassade geschaut. Hinterhöfe sind voller Fundstücke und Geschichten. Das enge Zusammenwohnen, die häufige „Mischnutzung“ mit kleinen Gewerbebetrieben, die architektonische Beschaffenheit und die Bemühungen, die Höfe zu individualisieren und mit Leben zu füllen.

Bassena in Wien © syr

Bassena in Vienna

hinterhof | Bassena werden in Wien und Österreich die zentralen Wasserstellen in alten Mietshäusern genannt. Zu einer Zeit, als die einzelnen Wohnungen noch nicht an die Wasserversorgung angeschlossen waren, wurde im Hof oder auf den Gängen das Wasser an der Bassena geholt. Die schön verzierten, historischen Becken kann man heute noch in Wien auf vielen Hinterhöfen entdecken. Teils liebevoll gepflegt, teils zweckentfremdet oder schlicht vergessen. Ihre sozialgeschichtliche und antiquarische Bedeutung wird erst langsam wiederentdeckt. Bassena ist eine Abwandlung des französischen Wortes Bassin für Becken mit einer individuell-österreichischen Endung. Die Bassena war früher der zentrale Treffpunkt der Hausbewohner, so dass dieses Wort im sozialen Gedächtnis bis heute durchaus eine negative Konnotation hat: Was man weitläufig als Tratsch im Treppenhaus kennt, war  in Wien der Bassena-Tratsch, denn er fand beim Wasserholen statt. Der Tratsch führte zu übler Nachrede, Streit, Beleidigungen und Klagen, die in viel beachteten und gut besuchten Gerichtsverfahren gipfelten. Die zwar wegen ihres enormen Unterhaltungswertes geschätzten „Bassena-Prozesse“ sorgten damit aber auch für den negativen Beigeschmack, der dem Wort und dem Image der Becken bis heute beiwohnt. Foto: Bassena 1. Bezirk © syr/gynt.eu

Kabäuschen | Foto: www.augenblick-fotodesign.com

Kleines Glück im Kabäuschen

hinterhof | Das Heiligen-Geist-Hospital von 1286 ist eines der ältesten Hospitäler Europas und eines der wichtigsten Bauwerke Lübecks. Hinter der imposanten Fassade und den beeindruckenden Wandgemälden in der Kirchenhalle findet man, verborgen hinter einer Doppeltür, einen sozialgeschichtlichen Schatz: Die Kabäuschen im Langhaus. Die reichen Lübecker Kaufleute hatten für das Hospital bereits im Mittelalter eine Stiftung ins Leben gerufen. Das Langhaus wurde seit der Reformationszeit als Altenheim für die Ärmsten der Stadt genutzt. Zunächst standen die Betten in der hohen Halle in Reihen nebeneinander. 1820 begann man, kleine hölzerne Kammern zu bauen, die heute noch wie winzige Reihenhäuschen in ihrer ursprünglichen Form erhalten sind. Jeder Bewohner nannte vier Quadratmeter sein eigen. Dies reichte gerade für ein Bett, ein Nachttischchen und einen kleinen Schrank, aber es gestattete Privatsphäre. Das Kabäuschen war ein Rückzugsort. Es hatte eine Tür, die man schließen konnte und ein Fenster, durch das man auf Wunsch mitbekam, was draußen los war. Angeordnet waren die Kammern in vier Reihen mit zwei langen Gängen, die nach Geschlechtern getrennt waren. Dies bietet heute ein Bild, das dem Hofleben der Lübecker Gänge durchaus geähnelt haben muss und …