Alle Artikel in: steinpfad

steinpfad | Sie waren lange vor uns da. Gesteine, Fossilien und Mineralien faszinieren uns durch ihr Alter, ihre Form, ihr Aussehen oder ihren Wert. Sie wecken Gefühle in uns, geben Rätsel auf und wir verleihen ihnen Bedeutung.

Steinpark-Luebeck-Foto-gynt

Residenz der Steine

lübeck | Territorium, Macht und Besitz zu markieren ist eine zutiefst archaische Sitte, und das Markieren von Landbesitz mit Steinen reicht weit zurück in der Menschheitsgeschichte. Doch viele dieser historischen Grenz- und Flursteine waren und sind heute Baumaßnahmen im Wege. Für die Rettung der unter Denkmalschutz stehenden Steine auf Lübecker Stadtgebiet wurde vor ein paar Jahren ein Grenzsteinpark auf dem Gelände des Universitätsklinikums eingerichtet.

Kunststätte Bossard © Jan Totzek/panographer.de

Überwältigendes Gesamtkunstwerk

landpartie | Am Nordrand der Lüneburger Heide, verborgen im Wald, findet man ein einzigartiges expressionistisches Gesamtkunstwerk, das bisher zu wenig Aufmerksamkeit erhält: Die Kunststätte Bossard. Das Künstlerehepaar Johann Michael und Jutta Bossard-Krull verwirklichte auf einem drei Hektar großen Areal bei Jesteburg/ Lüllau eine gemeinsame Vision. Die Kunststätte Bossard, ein Ensemble aus Wohn- und Atelierhaus, einem Kunsttempel und Garten- und Parkanlagen, beinhaltet heute mehr als 3000 Einzelkunstwerke. Bis zum Tode von Johann Michael Bossard im Jahr 1950 arbeiteten er und seine Frau Jutta unermüdlich gemeinsam und auf Augenhöhe an ihrem Ziel, Architektur, Bildhauerei, Malerei, Landschaftsarchitektur und Kunstgewerbliches zu einer Einheit werden zu lassen. Der beeindruckende Kunsttempel, der Edda-Saal und jeder Raum des Wohn- und Atelierhauses sind komplett mit Wandmalereien, Skulpturen, Holzschnitzereien, Bronzeguss und weiteren künstlerischen Techniken ausgestaltet und in seinem ursprünglichen Zusammenhang erhalten. Die Gärten sind kunstvoll angelegt, so dass die Bewohner dort einerseits Ruhe und Meditation finden und sich andererseits mit dem, was sie anbauten, auch komplett selbst versorgen konnten. Dieses Gesamtkunstwerk wird heute von einer Stiftung verwaltet und steht als Museum für Besichtigungen offen. „Die Meinen werden mich schon finden“, hat Johann Michael Bossard (1874-1950) einmal …

„Vun Hus un Hoff“ und Schießpulver

landpartie | Alte Landmaschinen, historische Geräte und Haushaltsgegenstände: Das Landmuseum „Vun Hus un Hoff“ in Linau gibt Einblick in alte Zeiten – vor, während und nach der Industriellen Revolution auf dem Dorfe. Das kleine Museum der Linauer Oldtimer Gemeinschaft e.V. (L.O.G.) ist mit viel Idealismus und Engagement aufgebaut worden und besteht seit 2005. Der Verein restauriert, pflegt und bewahrt historische Fahrzeuge und alte Land- und Haustechnik. So findet man hier neben den mobilen Steckenpferden des Vereins – alten Traktoren, Autos, Motorrädern, Mopeds und Fahrrädern – auch verschiedenste historische Gebrauchsgegenstände und Maschinen von Höfen, aus Werkstätten und ländlichen Manufakturen. Dazu gehören beispielsweise eine wieder aufgebaute alte Schmiede und eine sehenswerte alte Bandsäge aus der ehemaligen Pantoffelmacherei in Mollhagen. Gleich neben dem Museum an der Kreisstraße 11 zwischen Schönberg und Linau liegt ein liebevoll gestalteter kleiner Rastplatz mit Findlingen und einem „Alten Schweden“, der in diesem Fall nicht nur ein großer Fels ist, sondern ein „Kulturdenkmal für historische Arbeitsmethoden in der Steinbearbeitung“! Vor etwa 200 Jahren hatten Bauern versucht, den großen Stein, der möglicherweise bei der Feldarbeit im Wege war oder als Baumaterial genutzt werden sollte, klein zu kriegen. Mittels Hammer …

huehnergott © augenblick-fotodesign.com

Steinalt – der Hühnergott

steinpfad | Glück hat schon, wer einen findet: Den Hühnergott kennt an der Nord- und Ostsee jedes Kind. Die Suche nach dem Stein mit Loch ist ein beliebter Unterhaltungsfaktor bei langen Strandspaziergängen. Jetzt werden die Hühnergötter immer öfter auch als unbearbeitete Schmucksteine am Lederband getragen. Sie sollen Glück bringen – aber nur denen, die sie selber finden oder geschenkt bekommen. Seinen Namen verdankt der Hühnergott dem alt-slawischen Brauch, diese Steine an einem Band befestigt in den Hühnerstall zu hängen. Zum einen sollte damit die Legetätigkeit der Hennen angeregt werden, zum anderen sollte der Stein räuberische Eindringlinge wie den Fuchs abhalten. In anderen europäischen Volksglauben spielten Lochsteine als schützende Amulette eine ganz ähnliche Rolle. Dabei wurden sie zum Schutz der Häuser, seiner Bewohner und des Viehs aufgehängt. Als „Drudensteine“ sollten sie den Träger vor Hexen und dem „bösen Blick“ bewahren. Die meisten Hühnergötter findet man als Feuerstein/Flint, dem häufigsten Gestein an Schleswig-Holsteins Küsten. Feuerstein gibt es seit 60 bis 70 Millionen Jahren (obere Kreidezeit bis unteres Tertiär). Er ist hart, zäh und im Bruch sehr scharfkantig, weshalb unsere Vorfahren daraus Pfeilspitzen und andere Werkzeuge herstellten. Der Feuerstein zündet …

Linau Burg - Foto: syr/gynt.eu

Wo die Raubritter wohnten

steinpfad | Was Klaus Störtebeker zur See, das waren die Ritter von Scharpenberg zu Land: Sie raubten den Hamburger und Lübecker Kaufleuten ihr Hab und Gut. Im 14. Jahrhundert überfielen die Raubritter von ihrer strategisch gut gelegenen Burg in Linau aus regelmäßig die Handelswege zwischen den Städten. Bis sie sich schließlich einer mächtigen Allianz gegenüber sahen, die ihre Burg 1349 dem Erdboden gleich machte. Es ist kaum bekannt: Die Reste der Burg findet man 665 Jahre später immer noch in einem Wäldchen bei Linau im Kreis Herzogtum Lauenburg. Und weil sie frei zugänglich ist, atmet man bei einem Besuch dieser archäologischen Stätte auf besondere Art Geschichte.  Die Burg bestand aus drei Gebäuden, die von einem Wassergraben umgeben waren. Das noch in Resten erhaltene Felssteinfundament der Hauptburg mit Bergfried ist einmalig für Schleswig-Holstein und schafft mit den Wällen und dem Wassergraben eine Vorstellung davon, wie die Anlage ausgesehen haben könnte. Ein Modell der Burg (Foto) und Details zur Geschichte findet man im Dorfmuseum Linau. Die Interessengemeinschaft Kulturdenkmal Burg Linau e.V. sammelt seit 2011 Spenden, um einen weiteren Verfall der Ruine zu verhindern und die Anlage …

Die Strick- und Häkelguerilla…

steinpfad | …macht das Leben bunter! Am Ende der Fußgängerzone in Hamburg-Neugraben, da wo die Bauten so trist und grau sind wie das Pflaster, bringt ein farbenfroh umhäkelter Poller die Passanten zum Schmunzeln. „Guerilla Knitting“, „Urban Knitting“ oder „Strick Graffiti“ heißt die Bewegung, die uns solche fröhlich oder nachdenklich machenden Fundstücke beschert. Erfunden wurde das Guerilla-Stricken vermutlich 2005 in Texas, USA. In den letzten Jahren ist es auch in Europa zu einer großen Street-Art-Bewegung herangewachsen.   Seit 2010 wird in Deutschland nachweislich öffentlich gestrickt, gehäkelt und gestickt. Nicht nur mit der Idee, alles ein bißchen schöner, menschlicher und bunter zu machen, sondern auch mit künstlerischem Anspruch und mit politischen Statements. So wurde bereits medienwirksam gegen „Stuttgart 21“ gestrickt und 2011 in Offenbach ein gemeinschaftlich erarbeiteter riesiger „Lärmteppich“ gegen Fluglärm präsentiert. „Stricken gegen Atomkraft“ – nur ein Beispiel von vielen – produziert gelb-schwarze Leibchen und Armbinden für Statuen, Verkehrsschilder und mehr. Zusammen finden die Handarbeits-AktivistInnen – meist Frauen, aber auch immer mehr Männer – über das Internet, über Blogs und Homepages.  So bezeichnet sich beispielsweise Fluffy on tour als „Mitmach-Strickguerillagruppe“. Das Projekt bietet eine Plattform zum Netzwerken …

Der schiefste Turm der Welt

landpartie | Der schiefste Turm der Welt befindet sich nicht in Pisa, sondern in Ostfriesland! Mit seiner Neigung von 5,1939° steht der Kirchturm Suurhusen als „Farthest leaning tower“ seit 2007 im Guinnessbuch der Rekorde. Der zweitschiefste Turm der Welt – in Pisa – musste sich einem winzigen Dorf in Ostfriesland geschlagen geben, denn nach umfangreichen Messungen hat der Italiener nur eine Neigung von 5,08° zu bieten. Wer von Emden aus auf der B 210 mit dem Auto unterwegs in Richtung Aurich/Norddeich ist, dem beugt sich der „schiefe Turm von Suurhusen“ fünf Kilometer hinter der Emdener Stadtgrenze beachtlich entgegen. Dieser beeindruckende Blick mit einem Dachüberhang von 2,47 Meter sorgt dafür, dass viele Touristen spontan abbiegen, um das Gebäude zu besichtigen. Die zunächst turmlose Saalkirche wurde bereits Anfang des 13. Jahrhunderts auf einer Warft errichtet und 1450 um den Glockenturm ergänzt. Mächtige alte Eichenbohlen trugen jahrhundertelang das enorme Gewicht des Turms von 2100 Tonnen über dem Moorboden. Bis Mitte des 19. Jahrhunderts Entwässerungsmaßnahmen zu einem Absinken des Grundwassers führten. Dadurch wiederum gelangte Luft an die Eichenstämme, die zu faulen begannen und den Turm so nicht mehr ausreichend …

Teufelsbett und Giebichenstein

steinpfad | Im Waldgebiet „Krähe“ bei Stöckse (Nienburg an der Weser) kann man sich  auf einem 1000 Meter langen Wanderpfad auf Spurensuche durch 15000 Jahre menschlicher Kulturgeschichte begeben. Der Archäologische Wanderpfad wurde 1978 eröffnet, nachdem Jahre zuvor bei Grabungen unter anderem 350 Feuersteingeräte und Werkzeuge gefunden wurden. Am Giebichenstein, einem Findlings-Riesen, befand sich offenbar ein Lagerplatz von Rentierjägern aus der jüngeren Altsteinzeit. Der Giebichenstein ist mit 330 Tonnen einer der größten Findlinge Niedersachsens. Er misst im Durchmesser 4,5 Meter, die Länge beträgt 7,5 Meter, und er hat eine Höhe von 2,75 Meter. Es wird vermutet, dass der Findling vor rund 250.000 Jahren während der Saale-Eiszeit aus Skandinavien kam und als Teil einer Gletscher-Moräne dort abgelagert wurde. Um den Granitfels ranken sich verschiedene Sagen, von denen eine berichtet, dass ein Zwergenkönig namens Giebich mit seinem Volk unter dem Stein gehaust habe. Bis irgendwann die Menschen die freundlichen Zwerge vertrieben, die sie bis dahin vor allerlei Unheil bewahrt hatten. Der Findling aber trägt noch heute den Namen des Zwergenkönigs… In Sichtweise vom Giebichenstein liegt das Teufelsbett – ein Großsteingrab oder …

Alter Schwede

steinpfad | Alter Schwede… Im Sommer 2000 wurde der riesige Findling am Hamburger Elbstrand auf eben diesen Namen getauft und offiziell eingebürgert. Ein Jahr zuvor hatte man den seltenen Eiszeit-Koloss bei Baggerarbeiten zur Elbvertiefung in ca. 15 Metern Tiefe gefunden und schließlich an den Strand gehoben. Das tatsächliche Gewicht des Steins (270 Tonnen) hatte das Bergungsteam zunächst deutlich unterschätzt. Der Stein kappte mit seinen Tonnen die Verankerung am Schwimmkran und versank wieder in der Elbe. Der zweite Versuch war erfolgreich, und der Findling konnte schließlich an seinen heutigen Liegeplatz am Övelgönner Strand gebracht werden. Mit einer Gedenktafel wird er dort als „Hamburgs ältester Einwanderer“ geehrt – zugezogen aus Småland während der Eiszeit vor 400.000 Jahren. Mit fast 20 Metern Umfang und einer Höhe von 4,5 Metern ist der Alte Schwede einer der größten Findlinge Norddeutschlands, und er ist der Älteste seiner Art in Deutschland! Während andere Großfindlinge mit den Gletschermassen der Weichsel- und Saale-Eiszeit kamen, ordnet man den Alten Schweden der früheren Elster-Eiszeit zu. Der graue Växjö-Granit, aus dem er besteht, stammt aus Ostsmåland. Von dort ist er mit Geröll und Eismassen durch die Ostseesenke bis nach Hamburg …