hamburg, steinpfad

Die Strick- und Häkelguerilla…

steinpfad | …macht das Leben bunter! Am Ende der Fußgängerzone in Hamburg-Neugraben, da wo die Bauten so trist und grau sind wie das Pflaster, bringt ein farbenfroh umhäkelter Poller die Passanten zum Schmunzeln.

pitopia_sven h_2014„Guerilla Knitting“, „Urban Knitting“ oder „Strick Graffiti“ heißt die Bewegung, die uns solche fröhlich oder nachdenklich machenden Fundstücke beschert.
Erfunden wurde das Guerilla-Stricken vermutlich 2005 in Texas, USA. In den letzten Jahren ist es auch in Europa zu einer großen Street-Art-Bewegung herangewachsen.

 

Seit 2010 wird in Deutschland nachweislich öffentlich gestrickt, gehäkelt und gestickt. Nicht nur mit der Idee, alles ein bißchen schöner, menschlicher und bunter zu machen, sondern auch mit künstlerischem Anspruch und mit politischen Statements. So wurde bereits medienwirksam gegen „Stuttgart 21“ gestrickt und 2011 in Offenbach ein gemeinschaftlich erarbeiteter riesiger „Lärmteppich“ gegen Fluglärm präsentiert. „Stricken gegen Atomkraft“ – nur ein Beispiel von vielen – produziert gelb-schwarze Leibchen und Armbinden für Statuen, Verkehrsschilder und mehr.

Guerilla KnittingZusammen finden die Handarbeits-AktivistInnen – meist Frauen, aber auch immer mehr Männer – über das Internet, über Blogs und Homepages.  So bezeichnet sich beispielsweise Fluffy on tour als „Mitmach-Strickguerillagruppe“. Das Projekt bietet eine Plattform zum Netzwerken – um gemeinsam für oder gegen eine Thematik zu stricken und zu häkeln. Die umgarnte Stadt ist ein Blog aus Bremen, der gesellige Aktionen wie das “Häkeln in der Hafenbar” dokumentiert.  aachenstricktschön ist ein Kunstprojekt, das seinen Schwerpunkt auf aktuelle Stadtthemen setzt. 

Und ist das alles erlaubt? Sagen wir mal so: Da im Normalfall fremdes oder öffentliches Eigentum nicht beschädigt, sondern nur überdeckt wird, ist es keine Sachbeschädigung. Von den meisten Kommunen wird illegales „Guerilla Knitting“ nicht verfolgt. Gern gesehen ist es bei den Ämtern trotzdem nicht, denn entfernt werden die Artefakte dennoch früher oder später. Legal ist nur, was als Kunstaktion angemeldet wird. Aber das ist ja auch wieder irgendwie langweilig…

Seitenfoto,
aufgenommen in Wien, nahe Hundertwasserhaus:  © Ingo Bartussek – Fotolia.com
Kleinere Fotos: pitopia/sven h/2014