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Steinalt – der Hühnergott

huehnergott © augenblick-fotodesign.com

steinpfad | Glück hat schon, wer einen findet: Den Hühnergott kennt an der Nord- und Ostsee jedes Kind. Die Suche nach dem Stein mit Loch ist ein beliebter Unterhaltungsfaktor bei langen Strandspaziergängen. Jetzt werden die Hühnergötter immer öfter auch als unbearbeitete Schmucksteine am Lederband getragen. Sie sollen Glück bringen – aber nur denen, die sie selber finden oder geschenkt bekommen.

Seinen Namen verdankt der Hühnergott dem alt-slawischen Brauch, diese Steine an einem Band befestigt in den Hühnerstall zu hängen. Zum einen sollte damit die Legetätigkeit der Hennen angeregt werden, zum anderen sollte der Stein räuberische Eindringlinge wie den Fuchs abhalten.

Hühnergott © augenblick-fotodesign.comIn anderen europäischen Volksglauben spielten Lochsteine als schützende Amulette eine ganz ähnliche Rolle. Dabei wurden sie zum Schutz der Häuser, seiner Bewohner und des Viehs aufgehängt. Als „Drudensteine“ sollten sie den Träger vor Hexen und dem „bösen Blick“ bewahren.

Die meisten Hühnergötter findet man als Feuerstein/Flint, dem häufigsten Gestein an Schleswig-Holsteins Küsten. Feuerstein gibt es seit 60 bis 70 Millionen Jahren (obere Kreidezeit bis unteres Tertiär). Er ist hart, zäh und im Bruch sehr scharfkantig, weshalb unsere Vorfahren daraus Pfeilspitzen und andere Werkzeuge herstellten. Der Feuerstein zündet übrigens nicht selbst, aber er bringt durch seine Schlagkraft andere Steine wie Pyrit so zum Erhitzen, dass sie Funken schlagen. Feuersteine sind reich an Fossilien und Einlagerungen, was mit ihrer Entstehung in Zusammenhang gebracht wird. Die Einlagerungen, die nicht die Härte des Flints haben, waschen und reiben sich über lange Zeit aus und schließlich entstehen Löcher im Gestein. Feuersteine gibt es in schwarz-weiß, weiß, gelb, rot, grün-gerindet oder sogar „gebändert“. An der Ostsee sind schwarz-weiße Hühnergötter am häufigsten zu finden. Je dunkler, desto „frischer“ ist dabei der Feuerstein, denn durch die Verwitterung werden die Steine heller und milchiger.

Der Hühnergott soll also Fruchtbarkeit fördernd, Glück bringend und vor bösen Geistern schützend sein. Seinen persönlichen Glücksbringer sollte man selber finden. An Stränden und in Naturschutzgebieten dürfen Steine und Fossilien nur für private, also nicht-kommerzielle Zwecke gesammelt werden. Nach Phasen von heftiger See, also vor allem auch im Herbst und Frühjahr hat man die besten Aussichten, natürliche Schätze am Strand zu finden.

Foto: Hühnergötter © Nicole Franke, Augenblick-Fotodesign

 

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