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Katzengold

short story | In dem Sommer, von dem hier die Rede ist, 1957, verlor meine Mutter ihren goldenen Stiftzahn, den sie erst ein Jahr zuvor bekommen hatte. Das passierte irgendwo am Ufer des Baches, der sich hinter der Gartenkolonie, in der Großvater ein Stück Land gepachtet hatte, dahin schlängelte. Damals war ich acht und meine Mutter und ich verbrachten während meiner Ferien viel Zeit in diesem Garten.

Großvater war Leiter der örtlichen KONSUM-Filiale, wo auch meine Mutter an drei Vormittagen während der Woche arbeitete; die übrige Zeit hatte sie frei. Dank der Rabattmarken, die Großvater als Prämie für gesteigerten Monatsumsatz erhielt, lebten wir gut, besser als viele andere Familien zu der Zeit. Vater arbeitete von März bis November auf Montage im Straßenbau, war während dieser Monate nur selten einmal ein paar Tage zu Hause, schickte aber jede Woche Geld. Und obwohl immer genügend da war für Mutters Bedürfnisse, Zigaretten, Lippenstift und Nagellack, Mandelseife, Strümpfe mit Naht – für einen neuen Stiftzahn hätte es nicht gereicht.

Großvaters Garten war eine von den längsseits des Baches angelegten Parzellen, ungefähr zwanzig Minuten Gehweg entfernt von unserem Zuhause, einer Zweizimmerwohnung im Erdgeschoß eines Zinshauses in der Stadtmitte. Immer gingen wir auf dem ausgetretenen, mit kleinen Schottersteinen und Sand bedeckten Uferweg den Bach entlang bis zum Hintereingang des Gartens, so ersparten wir uns das Kreuz und Quer der Wege durch die Kolonie.

Während der Woche lag die Siedlung tagsüber still und reglos, erst am späten Nachmittag, mit den ersten Begrüßungsrufen über die Zäune hinweg, erwachte sie aus ihrer Lethargie. Dann war das Knacken der Pumpenschwengel und Scheppern der Gieskannen zu hören, später flackerte das Leuchten von Petroleumlampen und Windlichtern durch die Bäume, und der Geruch von frisch gemähtem Gras, feuchter Erde und gebratener Wurst wehte durch die Dämmerung.

Neben Großvaters Garten lag das Grundstück von Herrn Rusiszka. Seinen Namen wusste ich nur, weil er auf dem Emailschild am Gartentor stand, denn niemand in der Kolonie sprach ihn anders als mit „Herr Leo“ an.
Herr Leo war Kriegsinvalide, hatte ein zerschossenes Bein, das er leicht nachzog, und unterhalb seines rechten Ohres eine wulstige Narbe, die sich wie ein fetter roter Wurm am Hinterkopf entlang wölbte, wo sie dann in Büscheln geringelter schwarzer Haare verschwand.
Die Leute in der Siedlung waren sich einig: Herrn Leos Garten war eine Augenweide. Die Wiese immer gemäht, die Beete sauber von Unkraut, die Rosenbüsche nirgendwo so üppig, sein Holzhäuschen mit zwei blitzblanken Fenstern und einer Tür mit Schloss und Messingschnalle das weitaus stattlichste; es gab einen eisernen Brunnen mit einem gemauerten Wasserbassin, weiß lackierte Gartenmöbel und Klappliegestühle mit gestreiften Bezügen. Aber für mich war das Wunderbarste: Er besaß ein Transistorradio, so etwas hatte ich bis dahin noch nie gesehen – Herr Leo konnte, wann immer er wollte, Musik hören, ohne Kabel und ohne Stecker.

Den ganzen Sommer verbrachte unser Nachbar in seinem Garten. An den stillen Nachmittagen besuchten ihn ab und zu zwei oder drei ältere Männer zum Kartenspielen; einer war Kriegsinvalide wie er, ihm fehlte der linke Arm, der nutzlose Ärmel seines Hemdes war mit einer Sicherheitsnadel auf der Schulter fest gesteckt.
Freitag Nachmittag kam Herr Breitbart, der Freund aus Wien, mit seinem VW-Käfer angefahren – der „fesche Edi“, wie ihn die Frauen nannten, die von ihm Freitagabend, wenn in Herrn Leos Garten gefeiert wurde, nach den Klängen aus dem Transistorradio herum gewirbelt wurden. Immer wusste er Witziges zu erzählen, die Geschichten sprudelten nur so aus ihm heraus, begleitet von seinem ansteckenden Lachen, laut, groß, luftringend, verebbend und wieder von vorne beginnend. Aber nicht nur deshalb war er bei den Frauen in der Siedlung so beliebt: Herr Breitbart war Vertreter für Kleintextilwaren, Handschuhe, Schals und Krawatten, Herrensocken, Baumwollstrümpfe- und Söckchen für Damen und Kinder, und sein Verkaufsschlager waren die Nylonstrümpfe, rosé, sand, nougat, anthrazit, mit und ohne Naht, mit und ohne Ferse.
Aus den Sortimenten, die Herr Breitbart in seinen Musterkoffern mit sich führte, konnte man bestellen; er notierte alles sorgfältig auf seinem Orderblock und die Woche darauf kam er beladen mit Kartons, stellte eine kleine eiserne Handkasse auf Herr Leos Gartentisch und die Frauen zückten die Portemonnaies und holten freudestrahlend ihre Schätze beim feschen Edi ab.

Meine Mutter war eine Frau, die genau wusste, was zu tun war, um immer gut auszusehen; sie war noch nie in ihrem Leben ernsthaft krank gewesen – auch als Kind hatten Masern und Keuchhusten einen weiten Bogen um sie gemacht – war fröhlich und gesellig und hatte eine Menge Freundinnen, aus denen sie in wechselnden Abständen immer eine zu ihrer „besten“ erkor; in diesem Sommer war Frau Finkelstein – „die Friedl“ – ihre Busenfreundin.
Herr Finkelstein arbeitete als Bäckergeselle in der Wiener ANKERBROT-Fabrik und wohnte während der Woche in einem Männerheim; oft hatte er auch Wochenend-Schichtdienst und ich glaube mich zu erinnern, ihn nicht öfter als zwei- oder drei Mal gesehen zu haben.
Die Finkelsteins, deren Garten vis-à-vis lag, hatten zwei Töchter: Becki, ein Jahr älter als ich und Cilli, die im September eingeschult werden sollte; wie sich im Laufe des Sommers herausstellte, wurde sie aber von der Schulbehörde um ein Jahr zurück gestellt – eine „Unverschämtheit sondergleichen“, wie Frau Finkelstein nicht müde wurde, zu betonen.

Cilli war ein kräftiges Kind mit einem kugelrunden Kopf, auf dem die Haare sprossen wie der gelbe Flaum eines Kükens. Wenn sie mich sah, kam sie sofort auf mich zugelaufen, eine große Flickenpuppe mit schlenkernden Armen, lachend, quiekende Freudenlaute ausstoßend umschlang sie mich in der Mitte, manchmal so fest, dass ich den Halt verlor und wir dann kreischend übereinander her purzelten, Cilli glücklich schielend und ein wenig sabbernd.

Es gab Nachmittage, da verschwanden meine Mutter und Frau Finkelstein irgendwo in den Gärten, zu einem Kaffeekränzchen oder einer Damenkartenpartie und tauchten erst bei Einbruch der Dämmerung wieder auf. Nie wurde Besorgnis gezeigt, während ihrer Abwesenheit könnte uns etwas zustoßen – Mutter vertraute der Kraft ihrer Ermahnungen, und überdies sah sie die Kolonie als einen geschützten, von irgendjemandem immer einsehbaren Bereich, und Frau Finkelstein dachte wohl ebenso.

An besonders heißen Tagen lud uns Herr Leo ein, bei ihm in seinen Wasserbecken zu baden. Bevor wir hinein hüpften, säuberte er mit einem Kescher die Oberfläche von Blättern, Halmen und toten Insekten, pumpte frisches Wasser zu und wenn wir später bibbernd und mit blauen Lippen aus dem Bassin kletterten, hatte er schon Handtücher bereit gelegt und forderte uns auf, sofort die nassen Sachen auszuziehen. Becki und ich, wir verschwanden immer hinter den Ribiselbüschen, wo wir uns abfrottierten, in unsere Shorts und Blusen schlüpften und die Badeanzüge zum Trocknen über die Stauden legten. Wenn wir wieder auftauchten, lag Herr Leo im Liegestuhl, wiegte die in ein Badetuch eingewickelte Cilli in seinen Armen, sprach in einem zärtlichen Singsang auf sie ein. „So, so, so, gleich wird’s Händchen warm, gleich wird’s Füßchen warm, gleich wird’s Bäuchlein warm…“, und Cilli lachte, schielte und sabberte. Ihr nasses Spielhöschen hing über einen Gartenstuhl.

Becki, Cilli und ich, wir trieben uns herum, wo immer wir wollten – Langeweile kannten wir nicht. Eine unserer Lieblingsbeschäftigungen war das „Goldsuchen“. Ganze Nachmittage hockten wir am Ufer des Baches und gruben mit unseren Plastikschaufeln nach gelb glitzernden Kristallen, die wir dann, zusammen mit schönen Kieseln und unseren Glasmurmeln, in kleinen Stoffsäckchen aufbewahrten.

Das wäre Pyrit, erklärte uns Herr Leo, aber meine Mutter nannte es Katzengold. „So was wie ein falsches Versprechen.“

An dem Freitag, als die Sache mit dem Stiftzahn passierte, war die ganze Woche das Thermometer über den 30°-Strich geklettert, beinahe jeden Tag hatten wir in Herrn Leos Bassin gebadet, während unsere Mütter sich in den Schatten zurückzogen, Film- und Modezeitschriften lasen und vor sich hin dösten.

Herr Breitbart tauchte früher auf als üblich, hatte einen Korb mit Esswaren mitgebracht und Herr Leo lud uns zum Mittagessen ein. Bei Kranzlextra, Liptauer, Paradeiser aus dem Garten und Bauernbrot berichtete uns Herr Breitbart von seiner Tour. „Schlechte Geschäfte, die ganze Woche, bei der Hitze wollen sich die Kunden keine baumwollenen Sachen aufs Lager legen, nicht einmal Nylons sind gegangen.“ Meine Mutter und Frau Finkelstein sprachen ihm ihr Bedauern aus. „Ach, Sie Ärmster! Bei diesen Temperaturen im stickigen Auto durch die Gegend fahren zu müssen, das ist bei Gott kein Vergnügen“, und der fesche Edi, der sich gleich nach seiner Ankunft des korrekten Anzugs, seiner „Dienstkleidung“, wie er sie nannte, entledigt hatte, uns seinen strammen Brustkorb in wild Geblümtem, einem Hawaiihemd, „der letzte Schrei aus Amerika“, präsentierte, streckte mit wohligem Seufzen seine stämmigen, behaarten Beine in den kurzen Baumwollhosen von sich, und gestattete sich zwischen belegten Broten und Bier ein paar dezente Rülpser.

Später kochte Herr Leo auf seinem Spirituskocher Malzkaffee, das Transistorradio spielte das Wunschkonzert am Nachmittag, Cilli kuschelte auf Herrn Leos Schoß und selbst Becki und ich waren zu faul zum Herumstreunen, lümmelten am Tisch und stopften uns mit dem Kirschkuchen voll, den Frau Finkelstein mitgebracht hatte. Irgendwann stand eine Flasche Eierlikör auf dem Tisch, war bald zur Hälfte geleert; Wind kam auf, der Himmel verfärbte sich violett, ein paar Donnerschläge, ein erschrockenes Au meiner Mutter, Blitze zuckten, nervös fuhr ihr Finger über die rechte obere Zahnreihe, „Ich hab auf einen Kirschkern gebissen“, dann war der Spuk wieder vorbei, „Ist eh nichts passiert“, und die Sonne stach unvermindert giftig zwischen letzten Wolkenschüben hervor.

Stunden später begleitete uns Herr Breitbart mit seiner Stablampe den Weg am Bach entlang, ich lief voraus, mir reichte das Mondlicht, ich kannte den Weg in- und auswendig. Einmal blieb ich stehen, drehte mich um, wartete, vor mir geisterte der Lichtkegel durch die Dunkelheit, verschwand, wurde wieder sichtbar; vor unserer Wohnungstüre musste ich auf Mutter warten, sie kam erst Minuten nach mir.

Unter der Küchenlampe sah sie ein bisschen zerzaust aus, ihr Rock hatte einen Riss, „Ich bin an einem Strauch hängen geblieben“, sagte sie, setzte den Kessel auf den Rechaud für das warme Wasser zum Waschen und Zähneputzen, begann vor dem Spiegel über dem Waschtisch ihre Haare zu bürsten und dann bemerkte sie das hässliche schwarze Loch, anstelle des goldenen Fünfers rechts oben.

„Wir müssen suchen gehen“, sagte sie, „jetzt gleich. Großmutter hat einen Ring aus ihrer Schmuckschatulle dafür geopfert, ein zweites Mal tut sie das nicht mehr.“

Sie kramte in Schubladen, fand eine Taschenlampe, trieb mich zur Eile, lief mit wehendem Rock vor mir her durch die Straßen, und als wir am Bach angelangt waren, stand der Mond im vollen Rund am Nachthimmel, es war so licht, dass man am Uferrand die hellen Kieseln von den dunklen unterscheiden konnte. Die Lampe dicht am Boden haltend, gingen wir den ganzen Weg gebückt, ich dicht neben ihr, ab und zu blieben wir stehen, stocherten mit den Fingern zwischen den Schottersteinchen, entdeckten endlich ein blinkendes Etwas, aber als ich es aufhob und unter den Strahl der Lampe hielt, war es nur falsches Gold.

„Wir brauchen die große Lampe!“
Aus Herrn Leos Garten drang Radiomusik, Stimmen und Lachen war zu hören, wir riefen über die Hecke, bekamen keine Antwort und dann entdeckten wir Herrn Breitbart und Frau Finkelstein nebeneinander auf der Gartenbank, kein Blatt Papier hätte zwischen die beiden gepasst. Von Herrn Leo war nichts zu sehen, von Becki und Cilli auch nicht, aber hinter den Hüttenfenstern flackerte der Schein der Petroleumlampe.

Ich wollte noch einmal rufen, aber Mutter legte einen Finger auf die Lippen, zog mich mit einer energischen Bewegung vom Zaun weg und ging dann davon, mit großen, bedacht lautlosen Schritten, wie jemand, der auf keinen Fall entdeckt werden und so schnell wie möglich verschwinden wollte. Zu Hause stand sie eine Weile vor dem Spiegel, befühlte mit der Zunge ihre Zahnlücke, seufzte, „Wenn mir einmal das Lachen vergeht…“, und ich versuchte sie zu trösten und versprach, am nächsten Morgen noch einmal zu suchen.

Am nächsten Morgen regnete es. Es regnete zwei Tage – der Goldzahn war für immer verloren.

Die letzte Ferienwoche brach an, die Tage waren strahlend und warm, aber meine Mutter hatte keine Lust mehr, in den Garten zu gehen. An einem Nachmittag überraschte uns Frau Finkelstein mit ihrem Besuch; ich wurde in den Hof zum Spielen geschickt, konnte aber durch das Küchenfenster die beiden Frauen beobachten: Frau Finkelstein, die pausenlos redete, meine Mutter, die mit ungnädiger Miene zuhörte, während sie den Rauch ihrer Zigarette über ihre vorgeschobene Unterlippe steil nach oben blies.

„Auf Wiedersehen, Frau Finkelstein“, rief ich ihr nach, als sie ging, aber sie beachtete mich nicht, tupfte sich mit einem Taschentuch die Augen, dann hörte ich sie schniefen – ihre Zeit als Busenfreundin war abgelaufen.

Tags darauf fuhren wir nach Wien zu einem Zahnarzt, der Mutter einen provisorischen Stiftzahn einsetzte, kauften für mich bei Bally ein Paar neue Herbstschuhe und in einem Schreibwarengeschäft einen wunderschönen Malkasten, für den Vater Extrageld geschickt hatte.
Und trotzdem – ich war ein wenig traurig, meine Freundinnen fehlten mir und an einem Vormittag lief ich hinüber zur Gartenkolonie. Schon von weitem erkannte ich Becki am Ufer des Baches, sie hockte im seichten Wasser, schien in dem, was sie tat, völlig vertieft; Cilli konnte ich nicht entdecken, erst als ich näher kam, sah ich sie hinter einem Strauch, zusammen gekauert, die Arme um die Knie geschlungen. Ich ging auf sie zu, berührte sie an der Schulter, sie drehte ihr Gesicht weg von mir. „Cilli“, sagte ich, „was hast du? Bist du böse mit mir?“ Von irgendwo tief in ihrem Inneren kam ein Geräusch, ein Winseln, ein Knurren und als ich sie noch einmal berührte, schoss ihr Bein nach vorne und ihr Fuß trat mit voller Wucht gegen mein Schienbein. Ich konnte sehen, dass sie unter ihrem kurzen Kleidchen nackt war.

„Wenn’st wem was verratest, hau ich dich!“

Becki stand neben mir, hielt in den Händen ein Höschen, zerrissen, mit Spuren von Blut, die sie im Bach vergeblich zu entfernen versucht hatte. Ihr Gesicht, dieses nette, sommersprossige Gesicht, das mir während dieses Sommers so vertraut geworden war, entstellt von einem Ausdruck, der mich mehr ängstigte, als das, was sie mir angedroht hatte.

Im Sommer darauf waren meine Eltern getrennt. Vater hatte Weihnachten einen langen Abschiedsbrief geschrieben, zwischen den Blättern lagen einige große Scheine Geld; Mutter ließ sich davon einen neuen Fünfer rechts oben machen, nicht aus Gold, sondern aus Porzellan, was ungleich eleganter aussah und für mich kaufte sie einen Wintermantel mit falschem Persianerkragen. Sie vertauschte ihren braunen KONSUM-Arbeitsmantel mit einer weißen gestärkten Rüschenschürze und verkaufte hinter der Feinkosttheke von Benno Büxes Delikatessengeschäft Landschinken und feine Leberwurst in Dosen, statt Knoblauchextra und getrocknete Erbsen. Auch diesen Sommer verbrachten wir im Garten, aber es war Herrn Büxes Garten hinter seinem Haus, wo ich in einem aufblasbaren Gummibecken baden konnte und Mutter sich in einer Hängematte sonnte.

Als es Herbst wurde, bot ihr Herr Büxe einen Platz an seiner Seite an.

In jenen Jahren erschien mir alles, was meine Mutter darstellte und lebte als unverrückbar; erst als ihre Schönheit porös wurde, sich in ihrem Körper etwas Heimtückisches, Hoffnungraubendes ausbreitete, ihre Fröhlichkeit zerbröckelte wie altes Mauerwerk, sie nur mehr ein kranker Ast war, der eines Nachts lautlos brach, begriff ich, dass alles nur Katzengold gewesen war.

Die Gartenkolonie gibt es nicht mehr, der Bach ist umgeleitet, das Bett trocken gelegt; das Geheimnis von zwei Schwestern einbetoniert in den Fundamenten einer Wohnsiedlung. Die Pyritkristalle, die ich lange in meinem Murmelsäckchen aufbewahrt hatte, waren stumpf und grau geworden.

Inzwischen habe ich sie weg geworfen.

© Ingrid Maria Lang

Seitenfoto: © Les Cunliffe/Fotolia.com

Ingrid Maria LangIngrid Maria Lang – Die Autorin

Für ihren Debütroman „Wassermoleküle“ erhielt die Wiener Autorin Ingrid Maria Lang  2010 den Erstveröffentlichungspreis des Österreichischen Bundesministeriums für Unterricht, Kunst und Kultur. Die von g[y]nt ausgewählte Kurzgeschichte „Katzengold“ erschien bisher nur in der Zeitschrift „PODIUM“. Mehr über die Autorin …

Ingrid Maria Lang ist Gast-Jurorin beim
1. g[y]nt Literaturpreis 2015

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