landpartie, raus aufs dorf
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Frei geboren – Nandus im Norden

landpartie | Nandus in Freiheit – in Norddeutschland. Als ich im vergangenen Jahr zum ersten Mal einer Gruppe Nandus auf der schmalen Landstraße zwischen Utecht und Schattin begegnete, war ich gedanklich noch mit dem charmanten Warnschild „Otterwechsel“ beschäftigt, das ich wenige Kilometer zuvor in Rothenhusen am Nordzipfel des Ratzeburger Sees passiert hatte. Nun überquerte eine leibhaftige Gruppe von etwa zwanzig großen Laufvögeln die Straße. Heute weiß ich, der „Nanduwechsel“ ist an dieser Stelle keine Seltenheit, denn die hügelige Landschaft bei Schattin haben die Überlebenskünstler zu ihrer neuen Pampa erkoren.

Nandus bei Schattin © Andreas Klein/gynt.euDie ersten südamerikanischen Nandus entkamen bereits um die Jahrtausendwende aus einem Freigehege in Schleswig-Holstein und „machten rüber“ nach Mecklenburg. Die Züchter nahmen zunächst an, die Tiere könnten in Freiheit nicht überleben. Doch die Nandus siedelten sich an der Wakenitz  an und trotzen dort dem kühlen Norden. In jedem Frühjahr nach der Brut kommen neue hinzu. Zwar sterben in harten Wintern auch Tiere, inzwischen soll der Bestand jedoch langsam auf mehr als 100 Vögel angewachsen sein.

Die Nandus stehen unter Beobachtung: Das Bundesamt für Naturschutz hat sie als „potenziell invasiver Neozon“ eingestuft – als Einwanderer, der Schaden anrichten kann. Ob die Ausbreitung der Tiere tatsächlich Auswirkungen auf das Ökosystem des Naturschutzgebietes am Rande des Biosphärenreservats Schaalsee hat, wird seither vom Umweltministerium des Landes und der Arbeitsgruppe Nandu-Monitoring untersucht.

Nandus © Pitopia, Thomas W. KranenbergZwangsläufig ist Streit über die Nandus in Mecklenburg-Vorpommern entbrannt. Verschiedene Gruppen von Jägern und Naturschützern stehen den Tieren kritisch gegenüber. Die Vögel haben aber längst die Herzen vieler Mecklenburger erobert und auch die Arbeitsgruppe konnte keine durch die Vögel verursachten Schäden feststellen. Da Nandus Pflanzenfresser sind und sie ihre Nahrungspalette nur während der Brutzeit mit eiweißhaltigen Insekten ergänzen, ist unwahrscheinlich, dass sie für die Fauna schädliche Fressfeinde darstellen. Auch von relevanten landwirtschaftlichen Schäden kann nicht ausgegangen werden: „40 Nandus fressen so viel wie eine Kuh“, lautet eine entscheidende Erkenntnis des Schweriner Umweltministeriums.

Der Nandu ist mit bis zu 1,40 Metern ein großer, friedfertiger Vogel, der sich wehren kann. Insofern braucht man bei einer Begegnung mit den Tieren keine Angst haben, aber man sollte auch normale Zurückhaltung und Vorsicht walten lassen. Wenn sich ein Nandu bedroht fühlt, greift er an. Insbesondere im Frühjahr mit Jungtieren bleibt man besser auf Distanz, und „Bitte nicht füttern“ sollte selbstverständlich sein. Auf der Strecke zwischen Schattin und Utecht kann man die Vögel zudem sehr gut vom Auto beobachten.

Einen Ausflug in die mecklenburgische „Pampa“ sollte man unbedingt mit einem Besuch des Hofcafés Alte Zeiten in Schattin verbinden.

Seitenfoto: © Pitopia, ArtOfPictures, 2014
Foto Nandupaar: © Pitopia, Thomas W. Kranenberg, 2014

Foto (Gruppe) bei Schattin: Andreas Klein/gynt.eu

Es gibt auch ein Youtube-Video (verlinkt), das den typischen „Nanduwechsel“ zeigt.

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