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Glasscherbeninsel – Roman

glasscherbeninsel - Roman von Ingrid Maria Langbuchempfehlung | „Es scheint meine Bestimmung zu sein, dass immer ich derjenige sein muss, der in das Gesicht eines Toten blickt. Nein, das ist nicht ganz richtig – Adas Gesicht hatte ich nicht gesehen, dafür ein Bein, das auf groteske Weise aus einem schwarzen Nylonsack herausragte, am Fuß noch ein mit Schlamm beschmierter roter Lackpumps mit Schleife; aber vielleicht lebt dieses Bild auch nur in meiner Einbildung, ist irgendwann in einem Traum aufgetaucht, denn wie hätten die Träger nicht bemerken sollen, dass der Zipp der Plastikhülle nur zur Hälfte geschlossen war? Sie brachten sie mit dem Boot, trugen sie über den Flussdamm, legten sie in einen Blechsarg und schoben sie in den Leichenwagen(…)“

Konventionen regeln das Zusammenleben. Doch häufig beschränken sie uns im Denken und unserer Entfaltung, entscheiden über Glück oder Leid. So auch im Leben von Fee und Lolo – Sprösslinge einer neureichen Unternehmerfamilie aus Rainbruck, einer imaginären Provinzstadt in der Nähe von Wien. In der Kriegs- und Nachkriegszeit hat die Familie Bariello stetig an Einfluss gewonnen. Man glaubt in den 60er Jahren an das Gen „Unternehmergeist“, an Modernität und Zielstrebigkeit – und meint sich als Teil der kleinstädtischen Boheme auf der Seite der Toleranz stehend. Doch die Bariellos sind nicht frei von Standesdünkel. Getreu dem Motto „spiel nicht mit den Schmuddelkindern“ ist die verrufene „Glasscherbeninsel“ am Rande der Stadt kein Ort, an dem sich die Heranwachsenden Felicitas und Lorenzo aufhalten dürfen. Fee missachtet dieses Verbot, beginnt die andere Welt zu erforschen und findet die große Liebe. Der soziale Kontrast aber scheint zu groß für die bürgerliche Realität, und die Heimlichkeiten bergen Gefahren. Doch zunächst löst Lorenzos erste betörende Freundin eine Familientragödie aus…

Die „Glasscherbeninsel“ handelt vom Fall und Zerfall einer Familie. Abwechselnd erzählen Lorenzo und Felicitas mit Tempo und Poesie. Die nicht-chronologische Erzählweise der zwei Perspektiven ist fesselnd und anspruchsvoll zugleich. Als Kind der 60er Jahre habe ich Vieles wiedergefunden. Für mich ist dieses Buch die spannendste Neuerscheinung des Jahres 2012!

(Meine Rezension erschien so auch auf Amazon – syros)

ISBN 978-3-902744-43-2, 300 Seiten, gebunden, Schutzumschlag.

 

Ingrid Maria Lang - GlasscherbeninselIngrid Maria Lang

Die Wiener Schriftstellerin Ingrid Maria Lang, Autorin unserer Short Story „Katzengold“, erhielt 2010 für ihren Debütroman „Wassermoleküle“ den Erstveröffentlichungspreis des Österreichischen Bundesministeriums für Unterricht, Kunst und Kultur.

2012 erschien die „Glasscherbeninsel“, mit der die Schriftstellerin auch in Deutschland auf Lesereise war.

 

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