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Teufelsbett und Giebichenstein

steinpfad | Im Waldgebiet „Krähe“ bei Stöckse (Nienburg an der Weser) kann man sich  auf einem 1000 Meter langen Wanderpfad auf Spurensuche durch 15000 Jahre menschlicher Kulturgeschichte begeben. Der Archäologische Wanderpfad wurde 1978 eröffnet, nachdem Jahre zuvor bei Grabungen unter anderem 350 Feuersteingeräte und Werkzeuge gefunden wurden. Am Giebichenstein, einem Findlings-Riesen, befand sich offenbar ein Lagerplatz von Rentierjägern aus der jüngeren Altsteinzeit.

Der Giebichenstein ist mit 330 Tonnen einer der größten Findlinge Niedersachsens. Er misst im Durchmesser 4,5 Meter, die Länge beträgt 7,5 Meter, und er hat eine Höhe von 2,75 Meter. Es wird vermutet, dass der Findling vor rund 250.000 Jahren während der Saale-Eiszeit aus Skandinavien kam und als Teil einer Gletscher-Moräne dort abgelagert wurde. Um den Granitfels ranken sich verschiedene Sagen, von denen eine berichtet, dass ein Zwergenkönig namens Giebich mit seinem Volk unter dem Stein gehaust habe. Bis irgendwann die Menschen die freundlichen Zwerge vertrieben, die sie bis dahin vor allerlei Unheil bewahrt hatten. Der Findling aber trägt noch heute den Namen des Zwergenkönigs…

Teufelsbett © Katja Anker/gynt.euIn Sichtweise vom Giebichenstein liegt das Teufelsbett – ein Großsteingrab oder Megalithgrab, das auf die Zeit um 3500 – 2800 v. Chr. datiert wird. Die Menschen im 17. Jahrhundert glaubten noch, dass es sich hierbei um ein „Grab für Riesen“ handelte. Das Großsteingrab – verbreiteter ist in Norddeutschland die Bezeichnung „Hühnengrab“ – ist unvollständig. Unter anderem wurden die Decksteine geraubt. Nach archäologischer Untersuchung befanden sich in der Grabkammer nur noch wenige Fundstücke wie eine Tonscherbe, zwei Steinbeile und wenige Knochenstücke. Aber das Teufelsbett ist nicht die einzige Grabanlage, die man auf dem archäologischen Wanderpfad entdecken kann.

Hügelgräberfeld bei Stöckse © Katja Anker/gynt.euWenige Meter weiter befinden sich im Wald noch zehn erhaltene Grabhügel. Es ist der Restbestand eines Friedhofs aus der Älteren Bronzezeit (1500-1200 v. Chr). Dort wurden die Toten unter riesigen Hügelaufschüttungen beigesetzt. Um den Totenbezirk zu kennzeichnen, umgab man ihn mit einem Steinkranz oder einen Graben um den Hügel. Aus den entdeckten Grabbeigaben konnten die Forscher Rückschlüsse auf das Alter, die soziale und kulturelle Zugehörigkeit der Bestatteten ziehen.

Der Wanderpfad ist in Zusammenarbeit des Dezernats Denkmalpflege der Bezirksregierung Hannover mit dem Landkreis Nienburg und dem Staatlichen Forstamt Nienburg entstanden. Über Stock und Stein führt übrigens der Pilgerweg „Roswithaweg“ am Giebichenstein vorbei. Der Fernwanderweg beginnt in Nienburg, ist 189 km lang und führt durch hügeliges Gelände bis nach Bad Gandersheim.

Alle Fotos: © Katja Anker

gynt-Gastautorin: Katja AnkerUnsere Gast-Autorin: Katja Anker
Katja Anker, Jg. 1980, wurde in Celle geboren. Sie arbeitete viele Jahre in ihrem Beruf als Einzelhandelskauffrau, bis sie sich 2012 der Schriftstellerei zuwandte. Sie absolvierte erfolgreich 2013 ein Fernstudium. Ihr vielseitiges Schaffen zeichnet sich bisher durch Filmdrehbücher, Theaterstücke sowie einen Roman aus. Eine Kurzgeschichte veröffentlichte sie in der Anthologie „Freiheit“, Literareon, Herbert Utz Verlag. Heute lebt sie mit ihrer Familie bei Nienburg und arbeitet als freie Autorin.

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