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Wo die Raubritter wohnten

Linau Burg - Foto: syr/gynt.eu

steinpfad | Was Klaus Störtebeker zur See, das waren die Ritter von Scharpenberg zu Land: Sie raubten den Hamburger und Lübecker Kaufleuten ihr Hab und Gut. Im 14. Jahrhundert überfielen die Raubritter von ihrer strategisch gut gelegenen Burg in Linau aus regelmäßig die Handelswege zwischen den Städten. Bis sie sich schließlich einer mächtigen Allianz gegenüber sahen, die ihre Burg 1349 dem Erdboden gleich machte.

Burg Linau - Foto: syr/gynt.euEs ist kaum bekannt: Die Reste der Burg findet man 665 Jahre später immer noch in einem Wäldchen bei Linau im Kreis Herzogtum Lauenburg. Und weil sie frei zugänglich ist, atmet man bei einem Besuch dieser archäologischen Stätte auf besondere Art Geschichte.  Die Burg bestand aus drei Gebäuden, die von einem Wassergraben umgeben waren. Das noch in Resten erhaltene Felssteinfundament der Hauptburg mit Bergfried ist einmalig für Schleswig-Holstein und schafft mit den Wällen und dem Wassergraben eine Vorstellung davon, wie die Anlage ausgesehen haben könnte. Ein Modell der Burg (Foto) und Details zur Geschichte findet man im Dorfmuseum Linau.

linau-burg-modellDie Interessengemeinschaft Kulturdenkmal Burg Linau e.V. sammelt seit 2011 Spenden, um einen weiteren Verfall der Ruine zu verhindern und die Anlage zu schützen. Denn auch wenn man es genießt, einen solchen Ort betreten zu können, es wird schnell klar, dass jeder Schritt Folgen haben kann.

Burg Linau - Foto: syr/gynt.euDie Stigmatisierung derer von Scharpenberg als Raubritter scheint – liest man die Geschichte Hamburgs und Lübecks – gerechtfertigt. Die Ritter überfielen nicht nur den Handelsweg Hamburg – Lübeck, den sie von ihrer Burg aus wunderbar einsehen konnten, sie machten auch vor den Randgemeinden der beiden Städte nicht halt. Plünderungen, Brandschatzung, Überfälle und Totschlag sollen auf ihr Konto gegangen sein.

linau-reihe2Rechtlich schützte sie zum Teil das Fehderecht, eine Art Kriegsrecht des Mittelalters, das – wurde die Fehde öffentlich erklärt – die Durchsetzung von Recht mit Waffengewalt billigte. Mit der Zeit verschwamm bei den Beteiligten jedoch das Empfinden dafür, was noch Recht war, und so driftete manch Söldner und Ritter ab und wurde zum gewöhnlichen Straßenräuber. Auch die von Scharpenbergs waren Anfang des 14. Jahrhunderts noch eine angesehene Familie, die sogar freundschaftlich mit der Stadt Lübeck und familiär mit Hamburg verbunden war. Dennoch scheinen sie auch immer wieder Grenzgänger gewesen zu sein, denn bereits 1291 wurden ihre erste Burg in Linau und eine weitere in Nannendorp zerstört, weil von dort Raubzüge unternommen worden sein sollen.

Eine Fehde, die Heyno von Scharpenberg schließlich wegen einer alten Geldforderung an den Grafen von Holstein eröffnete, wurde so massiv genutzt, um die Straßen zwischen Hamburg und Lübeck unsicher zu machen, dass sich beide Städte 1349 mit dem Grafen verbündeten und gemeinsam gegen die gut befestigte Burg zogen. Am 29. September wurde Linau erobert und zerstört. Klaus Störtebeker sollte erst 10 Jahre später geboren werden…

Burg Linau - Foto: syr/gynt.eu

Um zur Burg zu gelangen, folgt man am Anglerteich in Linau dem Hinweisschild auf einen Bauernhof. Rechts am Steinwall halten, dort gelangt man durch ein Drehkreuz auf einen kurzen Weg, der zur Holzbrücke über den ehemaligen Burggraben führt.  Der Burggraben war einst mit der Bille verbunden. Folgt man hinter der Burg dem Weg, gelangt man nach ca. 300 Metern zur mit einem Stein markierten Quelle, denn hier in Linau entspringt die Bille.

Alle Fotos: syr/gynt.eu

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